Transnationale Verbindungen Deutschland-Türkei
Programmverantwortlicher: Yunus Ulusoy / Telefon: +49 201 3198-105 / Fax: +49 201 3198-333 / E-Mail: ulusoy@zfti.de
Der Programmbereich widmet sich den transnationalen Verflechtungen, die die deutsch-türkischen Beziehungen und ein über 60 Jahre andauernder Prozess der Ein- und Auswanderung hervorgebracht haben. Dabei geht es auch um die Rückwirkungen dieser Verflechtungen auf die zwischenstaatlichen Beziehungen. In mehr als sechs Jahrzehnten sind über 7,5 Millionen Menschen aus der Türkei ein- und ausgewandert. Dieser Migrations- und Integrationsprozess im deutsch-türkischen Raum beeinflusst die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen beider Länder nachhaltig. Integrations- und Desintegrationsdynamiken infolge politischer Debatten und Konflikte wirken sich zugleich unmittelbar auf das Zusammenleben sowie auf das Bild der Türkei in Deutschland aus und werden von Öffentlichkeit und Politik im jeweils anderen Land reflektiert. Vor diesem Hintergrund stellen sich besondere Herausforderungen an die Forschung zu einer (transnationalen) Sozialintegration, die im Rahmen des Programms adressiert wird.
Zugleich greift das Programm das öffentliche Interesse an den Entwicklungen in der Türkei sowie an den Interdependenzen in den bilateralen Beziehungen auf, indem es Projekte der politischen Bildung vor dem Hintergrund politischen Engagements jenseits nationaler Grenzen initiiert, zentrale Entwicklungen in der Türkei für Politik und Öffentlichkeit aufarbeitet und transnationale Netzwerkarbeit leistet.
Projekte:
MitStimmen. Systematische Ansprache unterrepräsentierter Wahlberechtigter im Vorfeld der NRW-Landtagswahl 2027
Das Vorhaben knüpft an die Ergebnisse der Vorgängerprojekte Wissenschaftstransfer zur Unterstützung der Wahlbeteiligung von Deutschen mit türkischer Zuwanderungsgeschichte (2022/2023) und Wahldemokratie vor Ort (2024/2025) an. Im Rahmen von Wahldemokratie vor Ort war anlässlich der NRW-Kommunalwahl 2025 die Internetseite hierdabei.de online gegangen, auf der das aktuelle Angebot anlässlich der NRW-Landtagswahl 2027 nun aufbaut.
Die seit 2022 entwickelten Strategien zur Erhöhung der Wahlbeteiligung fließen nun in das aktuelle Projekt im Vorfeld der NRW-Landtagswahl ein.
Ziel ist, die Wahlbeteiligung von Wahlberechtigten mit Einwanderungsgeschichte, mit besonderem Fokus auf Jüngeren, bei der NRW-Landtagswahl 2027 zu erhöhen, indem, über die Online-Präsenz- hinaus, alltagsnahe Informationen im sozialen Nahraum bereitgestellt werden.
Dabei werden sowohl bestehende Angebote der politischen Bildung einbezogen als auch neue bedarfsgerechte Materialien und Anspracheformate entwickelt und eingesetzt. Kern des Vorhabens ist dementsprechend eine Website, die zu Wahlteilnahme mobilisieren soll. Ebenso berät das Projekt interessierte Kommunen, die neue Kommunikationsstrategien und auch organisatorische Maßnahmen entwickeln und erproben wollen, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen.
Das Vorhaben wird, analog zu seinen Vorläuferprojekten, von der Landeszentrale für politische Bildung NRW gefördert und in Kooperation mit dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen (UDE) und dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Bamberg von 2026 bis 2027 durchgeführt.
Förderung der Beteiligung an der Kommunalwahl in NRW 2025. Ein Interventionsprojekt unter besonderer Berücksichtigung von Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte
Im Vorfeld der Kommunalwahl in NRW 2025 (die voraussichtlich gleichzeitig mit der Bundestagswahl 2025 stattfinden wird) sollen, mit Förderung der Landeszentrale für politische Bildung, direkte Interventionen zur Erhöhung der Wahlbeteiligung verwirklicht werden, wobei das Vorhaben sowohl bereits vorhandene Angebote der politischen Bildung einbeziehen als auch bedarfsgerechte neue Materialien und Ansprache-Formate entwickeln und einsetzen soll. Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen leistet eine Wirkungsevaluation von Interventionen im Sozialraum durch die kleinräumige Auswertung der Wahlbeteiligung auf Stimmbezirksebene im Rahmen einer Kontrollstudie.
Publikationen:
Elis, Jonas/Goerres, Achim/Mayer, Sabrina J. (2022): Die Wahlbeteiligung von Bürgerinnen und Bürgern mit familiärer Migrationsgeschichte. Möglichkeiten und Grenzen der Förderung. Expertise im Rahmen des Projekts „Wissenschaftstransfer zur Unterstützung der Wahlbeteiligung Deutscher mit türkischer Einwanderungsgeschichte“ des ZfTI. Essen: ZfTI. (open access)
Halm, Dirk/Ulusoy, Yunus (2022): Einstellungs- und Konfliktmuster bei politisch engagierten Türkeistämmigen in Deutschland. In: Zeitschrift für Migrationsforschung, 2(1), S. 35-60. (open access)
Aver, Caner/Halm, Dirk/Sauer, Martina (2021): Politische Migrationsmotive Türkeistämmiger in Nordrhein-Westfalen. Baden-Baden: Nomos. (open access)
Ulusoy, Yunus/Uslucan, Hacı-Halil (2019): Migrationsbezogene Konflikte in NRW im türkisch-kurdischen Kontext. Essen: ZfTI. (open access)
Aver, Caner/Gümüş, Burak Gümüs (2017): Transnationale Remigration nach Deutschland. In: Gieler, Wolfgang/Gümüş, Burak/Yoldaş (Hrsg.): Deutsch-türkische Beziehungen. Historische, sektorale und migrationsspezifische Aspekte. Frankfurt a.M.: Peter Lang Verlag.
Halm, Dirk/Kersting, Norbert/Sauer, Martina/Ulusoy, Yunus (2016): Wissenschaftliche Begleitung der Kommunalen Integrationszentren
und der Landesweiten Koordinierungsstelle NRW. Ergebnisbericht, vorgelegt von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung, in Kooperation mit dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster. Münster/Essen: WWU/ZfTI. (open access)
