Muslimische Gebetshäuser. Begegnungen im Ruhrgebiet

Muslimische Gebetshäuser. Begegnungen im Ruhrgebiet
Fotografien von Mustafa Şentürk

Eröffnung am Donnerstag, 20. Juni 2013 um 19:30 Uhr in der VHS

Beitragsfoto: Mustafa Sentürk

Vom 21. Juni bis zum 19. Juli 2013 präsentiert das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW die Ausstellung „Kubus oder Kuppel. Moscheen. Perspektiven einer Bauaufgabe“. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit einer Fotoausstellung, Autorengesprächen sowie Lesungen in Kooperation mit dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung und demLiteratürk Festival begleitet.

Mit der Fotoausstellung: „Muslimische Gebetshäuser. Begegnungen im Ruhrgebiet“ wirft Film und Fotokünstler Mustafa Şentürk einen sehr persönlichen Blick auf unterschiedliche Moscheebauten im Ruhrgebiet und das vielfältige Leben im Umkreis der Gebetshäuser.

Die Moscheen im Ruhrgebiet zeigen eine große Vielfalt und spiegeln den Charakter dieser bunten Region. Türkische, arabische, bosnische, iranische, deutsche Muslime besuchen die unterschiedlichen Gebetshäuser, die zu verschiedenen Dachverbänden gehören. Unterschiede gibt es auch bei den Bauarten der Moscheen. Neue Moscheebauten finden zwar mehr Beachtung in der Gesellschaft, aber die Moscheenlandschaft im Ruhrgebiet wird vor allem durch Umbauten – von ehemaligen Industriegebäuden, Wohnhäusern oder sogar Kirchen – dominiert. Darüber hinaus stellt die Ausstellung die Vielfalt der Gebetshäuser sowie ihre religiöse und soziale Funktionen dar.
An dem Eröffnungsprogramm
am Donnerstag, 20. Juni 2013
um 19:30 Uhr
in der VHS Essen (Burgplatz 1, 45127 Essen)
nehmen teil:

Friederike Brunnbauer, VHS Essen,

Andreas Bomheuer, Kulturdezernent Stadt Essen,

Şule Özkaya, Generalkonsulin der Republik Türkei,

Ursula Kleefisch-Jobst, Generalkuratorin M:AI,

Ulrich Burmeister, Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW,

Eren Güvercin, Freier Autor, Köln

Für die Teilnahme am Eröffnungsprogramm ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Bitte melden Sie sich über die Facebook-Seite an oder senden Sie eine E-Mail an info@mai.nrw.de .

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Zur Ausstellung „Muslimische Gebetshäuser. Begegnungen im Ruhrgebiet:
Verschwindend gering war die Anzahl der muslimischen Gemeinden vor 1970, einen wahren Gründungsboom gab es in den 1980ern und 1990ern. Die Gläubigen versammelten sich zunächst in den freien Zimmern der Wohnheime, die Gemeinden später dort, wo Platz war, dort wo sie Räumlichkeiten anmieten konnten. Die Moscheevereine im Ruhrgebiet haben die unterschiedlichsten Orte „adoptiert“ und in lebendige Gemeindezentren verwandelt. Der Fotograf Mustafa Şentürk hat sich auf den Weg gemacht und sich an neu errichtete Moscheen, an umgebaute Lagerhallen oder an sanierte Hinterhöfe und Altbauten herangezoomt. Die Gebetshäuser sind in gewachsenen Stadtteilen entstanden, haben sich mit den Gegebenheiten arrangiert, sie umformuliert und sind Anlaufpunkte für Begegnung, Austausch und religiöse Gemeinschaft geworden – oft in Stadtteilen, die vom Strukturwandel vergessen schienen. Die Gebetshäuser bieten weit mehr als einen Ort für das Gebet: Sie sind Treffpunkt für Alte und Junge, sie bieten Teestube, Bistro und Kulturveranstaltungen, hier finden Vorträge zu Gesundheits- und Erziehungsfragen statt, ebenso Sozialberatung und Weiterbildungsangebote, und nicht selten sind ein Supermarkt oder ein Friseur integriert.

Ein paar Zahlen: 4,3 Millionen Muslime leben in Deutschland, 2.350 Moscheen einschließlich der alevitischen Cem-Häuser stehen ihnen zur Verfügung. 843 davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen, 371 im Ruhrgebiet.

Mustafa Şentürk, studierte Film und Fernsehen an der Fakultät für bildende Künste der Istanbuler Marmara-Universität. Er war an zahlreichen internationalen Film- und Fotoprojekten für die Musik- und Werbebranche beteiligt. Als Bildregisseur begleitete er Kurzfilme, die unter anderem vom türkischen Kulturministerium ausgezeichnet wurden. Mustafa Şentürk hat sich spezialisiert auf die Fotografie von Menschen und Städten in Europa und in der Türkei. www.mustafasenturk.de

Zur Ausstellung: „Kubus oder Kuppel. Moscheen. Perspektiven einer Bauaufgabe“
»Was macht eine Moschee zur Moschee? Das ist ganz einfach: eine Wand, die exakt nach Mekka ausgerichtet ist.« Knapp und klar beschreibt der kuwaitische Planer und Architekturprofessor Omar Khattab die Charakteristik des muslimischen Gebetsplatzes. Für die Architektur der Moscheen gibt es zwar Traditionen und Bezüge, jedoch nur wenige ästhetische Gestaltungsvorschriften. Gestaltungsvariationen und Entwürfe von Moscheen zeigt die Ausstellung in vier unterschiedlichen Sektionen:
– Unter dem Titel »Neue Wege« werden Bauten gezeigt, deren Formensprache sich an der Kultur orientiert, in die sie hineingebaut wurden. Dieser Dialog führt zu unterschiedlichen Ergebnissen und zu einer Öffnung für die Entwicklungen der Moderne. Gezeigt werden Beispiele aus Indonesien und Pakistan und Neubauten von Gebetshäusern im durch Migration geprägten Europa.
»Zeitgenossenschaft« thematisiert die Entwicklung einer eigenen Formensprache in Ankara, Dubai, Ramallah sowie Singapur jenseits der historisierenden Formen. Das Kapitel steht für den Ausdruck des »Euro-Islam« in Deutschland und den Niederlanden. Der Bereich zeigt Beispiele für die Weiterführung der traditionellen Bauformen, um den Islam als zeitgemäße Religion zu präsentieren.
– In der Sektion »(Un)-Sichtbarkeit« stellen wir Strategien vor, bei denen Planer sich mit dem Thema der Tarnarchitektur einerseits und der künstlerischen Irritation andererseits auseinandersetzen – von der Umnutzung alter Lagerräume bis zum Kunst-am-Bau-Projekt.
– Schließlich stellt der Bereich »Begegnungen « einen Bezug zu klassischen Bauformen, aber auch zur Öffnung hinsichtlich anderer Religionen her. Die Beispiele zeigen die Begegnung von Baugeschichte mit gestalterischen Innovationen.
Anhand zahlreicher Beispiele bilanziert die Ausstellung dadurch erstmals die jüngsten Entwicklungen einer Bauaufgabe, deren Meisterwerke Architekten und Gläubige noch heute herausfordern: von Penzberg und Kayseri bis Chittagong, von Albuquerque bis Algier.
Gezeigt wurde die von Christian Welzbacher kuratierte Ausstellung erstmals in der ifa-Galerie Berlin in 2012. Sie wurde entwickelt vom ifa Institut für Auslandsbeziehungen und der ifa-Galerie Stuttgart. ifa engagiert sich weltweit für Kunstaustausch, den Dialog der Zivilgesellschaften und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen.

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