Diskussionsveranstaltung über Gezi-Park-Proteste

Wer sind unsere MigrantInnen und was wollen sie? Protestformen am Beispiel der transnationalen Unterstützung zur Gezi-Bewegung aus Deutschland

Freitag, 13.06.2014 / 19 Uhr / Zentralbibliothek Essen (Hollestraße 3 -Gildehof- 45127 Essen)

In den letzten Jahren gab es in Deutschland eine breitgefächerte Resonanz unter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund auf vielschichtige Protestbewegungen in Spanien, Ägypten, Griechenland und der Türkei. Die größte Unterstützung in Deutschland erfuhr die Gezi-Bewegung in der Türkei. Am Beispiel der Reaktion dieser Protestbewegung unter Migranten aus der Türkei sollen die Hintergründe analysiert und reflektiert und für die Förderung der Demokratie hier wie dort nutzbar gemacht werden.

Junge und Alte Menschen unterschiedlicher Couleur trafen sich unter dem Nenner „Solidarität mit den Gezi – Protestlern“ – manchmal auch nicht ganz unproblematisch.

„Ein >>türkischer<< Sommer in Berlin – Die Gezi-Bewegung und der Traum von Demokratie“ so lautet der Titel eines erst kürzlich veröffentlichten Buches. Die Autorinnen, Ebru Taşdemir und Canset Içpınar gehen in Form von Interviews mit Aktivist*Innen aus Berlin der Motivation auf den Grund.

Auch in Essen und im gesamten Rhein-Ruhr-Gebiet fanden zahlreiche Solidaritätsdemonstrationen und Veranstaltungen statt. Menschen mit Wurzeln aus der Türkei fanden sich vor allem in den ersten Tagen spontan zusammen, demonstrierten für Freiheit und Demokratie‘.

Zwei Aspekte daran sind interessant:

1. Warum interessieren sich – insbesondere auch junge – Menschen für die Situation in der Türkei so stark, dass sie dafür auf die Straße gehen und das obwohl sie ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben? Ist das ein Anzeichen für mangelnde ‚Integration‘?

2. Die Demonstrationen gegen die repressive türkische Regierungspolitik hier wie dort fanden in der internationalen Presse und in Deutschland eine hohe Zustimmung und setzen ein Gegenbild zu vollgefüllte Hallen bei Besuchen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Deutschland. Ist unser Bild des ‚konservativen Türken‘ vielleicht falsch oder ist das gar kein Gegensatz?

Die Gezi-Demonstrationen – für und gegen – zum Anlass nehmend, wollen wir nach einer Lesung aus dem Buch zusammen mit unseren Gästen, den beiden Autorinnen sowie dem Politikwissenschaftler Dr. Burak Çopur über politische Partizipation ‚Türkeistämmiger‘ in Deutschland diskutieren.

Außerdem freuen wir uns darauf, dass der Leiter des Kommunalen Integrationszentrums Dr. Helmuth Schweitzer, PD Dr. Dirk Halm stellv. wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung mit ein paar einleitenden Sätzen sowie der Leiter der Stadtbibliothek Dr. Klaus-Peter Böttger die Gäste begrüßen werden.

Moderiert wird die Veranstaltung von Gönül Eğlence, Vorstandssprecherin der Grünen Essen

Kurzbiografien der PodiumsteilnehmerInnen

Canset Içpınar
Arbeitet als freie Journalistin für Berliner Printmedien und schreibt über gesellschaftspolitische und kulturelle Themen. Sie studierte Geschichte und Kultur des vorderen Orients, Sinologie und Publizistik und machte eine Ausbildung für „interkulturellen Journalismus“. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Fragestellungen, die sich vornehmlich mit der Integration von EinwandererInnen in Deutschland befassen.

Ebru Taşdemir
Arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Print-und Hörfunkmedien. Sie studierte Publizistik und Turkologie an der FU Berlin. Erfand 2012 die Hassmail-Leseshow „Hate Poetry“, die seitdem erfolgreich durch das Land tourt. Schreibt derzeit an ihrem 2.Buch „KofferEltern“. Ihre Themenfelder sind Kunst, Kultur und Familie im Spannungsfeld Migration.

Dr. Burak Çopur
ist Politikwissenschaftler, Türkeiexperte und Integrationsforscher. Als Lehrbeauftragter doziert er am Lehrstuhl des renommierten Migrationsforschers Prof. Dr. Haci Halil Uslucan am Institut für Turkistik der Universität Duisburg-Essen. Der Politologe studierte auch an der University of New South Wales in Sydney/Australien und legte mithilfe eines Promotionsstipendiums der Heinrich-Böll-Stiftung seine Dissertation ab. Çopur wurde von einer Jury um die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth zu einem der 100 erfolgreichsten Deutsch-Türken ausgewählt.

 

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