SPÄTSCHICHT

Eine produktive Spätschicht für die Zukunft

An der „Langen Nacht der interkulturellen Berufsberatung“ in Essen haben um die 300 Personen teilgenommen. Im Rahmen der bundesweit einmaligen Aktion wurden mit rund 140 jungen Flüchtlingen und Migrant*innen Einzelgespräche geführt.

An 13 Beratungstischen informierten 19 Berater*innen aus den neun Essener Institutionen – Agentur für Arbeit Essen, Die Boje, CVJM Essen Sozialwerk gGmbH, IHK zu Essen, Jobcenter Essen, Jugendberufshilfe Essen, Jugendberufsagentur, Talentscouting NRW und der KAUSA Servicestelle Essen (KSE) in Trägerschaft des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) –junge Flüchtlinge und Migranten*innen rund um das Thema „Ausbildung“ im Rahmen der „Langen Nacht der interkulturellen Berufsberatung“. Am Freitagabend (02.09.2016) besuchten um die 300 Personen, bestehend aus Ratsuchenden, Begleitpersonen, Ehrenamtlichen und Interessierten zwischen 17 und 22 Uhr das ZfTI.

 

Die Institutionen Arbeit und Bildung Essen gemeinnützige GmbH, BfZ Essen und KSE stellten 13 Dolmetscher*innen zur Verfügung, um die Ratsuchenden mit geringen Deutschkenntnissen bei Gesprächen mit den Berufsberatern*innen zu unterstützen. Mithilfe der Übersetzer*innen und mehrsprachigen Beratern*innen konnten sich die Interessierten neben Deutsch in 13 weiteren Sprachen (Arabisch, Aramäisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Hindi, Kurdisch, Persisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Türkisch und Urdu) informieren.

Während der Aktion wurden 137 Personen einzeln beraten. Zudem wurden für rund 40 Personen durch KSE-Experten muttersprachliche Gruppenberatungen auf Arabisch und Persisch angeboten, um dem großen Interesse an Beratungen gerecht zu werden. Zeitweise musste der Einlass aufgrund der begrenzten Raumkapazitäten verwehrt werden, 25 Interessierte hinterließen jedoch ihre Kontaktdaten für eine spätere Einzelberatung durch die KSE.

Die Ratsuchenden stammten aus mindestens 15 verschiedenen Ländern, von Schweden bis Sri Lanka. Die Nachfrage der Flüchtlinge für die Beratungsangebote war sehr groß. 71 der 137 Beratungsgespräche wurden durch syrische Flüchtlinge in Anspruch genommen. 20 Personen stammten aus Afghanistan, 13 aus dem Iran und 9 aus dem Irak.

Im Vergleich zur ersten Durchführung dieser Veranstaltung im September 2015 befanden sich unter den Ratsuchenden deutlich mehr Männer als Frauen. Rund 80 Prozent der zweiten „Langen Nacht“ waren männlich. Bei der ersten Durchführung lag der Anteil der männlichen Ratsuchenden bei 60 Prozent. Auch der Anteil der Ratsuchenden, die älter als 25 Jahre sind, nahm zu. Rund 40 Prozent der beratenen Personen (54) waren junge Erwachsene älter als 25 Jahre. Bei der ersten Durchführung lag ihr Anteil nur bei 10 Prozent.

Bei den Gesprächen wurde zu verschiedenen Dimensionen der beruflichen Orientierung beraten. Am häufigsten wurden die Themen Ausbildungsplatzsuche in konkreten Berufsfeldern und die Zugangsvoraussetzungen besprochen (38 Gespräche). Eine allgemeine Berufsorientierung inkl. einer Erläuterung des Stellenwertes der „dualen Ausbildung“ kam an zweiter Stelle (30 Gespräche). Weitere Themen waren Spracherwerb/Alphabetisierung (25), Anerkennung der Ausländischen Abschlüsse (22), Studienmöglichkeiten (18), Möglichkeiten innerhalb des Schulsystems (12), Fragen zum Aufenthaltsrecht (11), Umschulungen (9), Einstiegsqualifizierung (5) und Arbeitsmöglichkeiten (4).

„Das große Interesse der Neuzugewanderten an einer Berufsberatung, die wir sowohl während der Langen Nacht als auch in unserem Beratungsalltag beobachten, ist ein Zeichen der hohen Motivation. Damit diese Motivation zum Erfolg führt, soll sie richtig gesteuert werden. Daher sehen wir die Informationsarbeit, die wir mit den Essener Institutionen geleistet haben, als einen wichtigen Beitrag für die Zukunft unserer Stadtgesellschaft. Wir danken allen Partnern, die mit uns die Zukunft unserer Gesellschaft aufbauen“, sagte Cem Şentürk, Leiter der im ZfTI angesiedelten KAUSA Servicestelle Essen.

Neben den beratenden Institutionen sind weitere wichtige kommunale Akteure (Bildungsbüro Essen, Jugendamt Essen) und Migrantenorganisationen (Elternverband Ruhr, Essener Verbund der Immigrantenvereine und IKUA-Interkulturelle Unternehmer- und Akademiker e.V.) Mitveranstalter der Aktion. Der Stadtspiegel Essen, Lokalkompass.de und das „Zeig Dich!“-Magazin unterstützen die „Lange Nacht“ als Medienpartner.

Das Konzept „Lange Nacht der interkulturellen Berufsberatung“ wurde von der KAUSA Servicestelle Essen (KSE) entwickelt, um die bestehenden Beratungsangebote den Migranten*innen zielgerichtet näher zu bringen. Die Organisationskosten der Aktion wurden von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) getragen.

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