Beteiligung von Bildungsinländern mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen an der Hochschulbildung in NRW

Immer mehr junge Migrant*innen schaffen den Hochschulzugang. Hohe familiale Bildungsaspiration, Vorbilder, motivierende Lehrer und der Wunsch nach sozialem Aufstieg sind Schlüsselfaktoren für den Bildungserfolg von Migrant*innen aus bildungsfernen Milieus.

Die Zahl der Studierenden mit Migrationshintergrund steigt in Deutschland im Zeitverlauf immer mehr an. Dabei scheint ihre soziale Herkunft nicht immer hinderlich für einen erfolgreichen Bildungsweg zu sein. Die Erfolgsfaktoren, die trotz milieubedingter Widrigkeiten einen Hochschulzugang ermöglichen, die Rolle von Migrantenorganisationen und die Frage nach der Nutzung und Beurteilung von Hochschulmaßnahmen zur Unterstützung der Studierenden waren Gegenstand einer empirischen Studie zum Thema „Beteiligung von Bildungsinländern mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen an der Hochschulbildung in NRW“, die vom NRW-Wissenschaftsministerium gefördert wurde.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, des prognostizierten Fachkräftemangels, aber auch der Chancengerechtigkeit ist die Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine wesentliche Herausforderung der Bildungspolitik – denn in NRW liegt der Anteil der Migrant*innen bis 18 Jahren bei 39%. Sie sind auf den Gymnasien unter- und auf den Hauptschulen überrepräsentiert.

Die Erfolgsfaktoren für den Hochschulzugang unter den befragten studierenden Migrant*innen sind im Wesentlichen die Eltern und dabei besonders der Mütter, die trotz ihrer durchschnittlich geringeren Bildung durch ihre hohe Bildungsaspiration ihre Kinder motivieren, ein Hochschulstudium anzustreben. Erfolgsstrategien vermitteln, sofern vorhanden, Vorbilder mit Hochschulerfahrung aus der eigenen Herkunftsgruppe. Deren Bildungsbiographie bestärkt die Jugendlichen, selbst ein Studium anzustreben. Den Lehrer*innen kommt ebenfalls eine wichtige Rolle zu, ihre Unterstützung bestimmt die Aufstiegschancen maßgeblich.

Mütter, Vorbilder und Lehrer*innen haben damit eine Schlüsselfunktion im Bildungswerdegang gerade von jungen Migrant*innen aus bildungsfernen Milieus. Hier können gezielt Maßnahmen ansetzen, um bisher vernachlässigte Potenziale zu aktivieren.  „Zur Förderung des Hochschulzugangs von Migrant*innen sind aus Sicht der befragten Studierenden die vorhandenen Unterstützungsangebote nicht hinreichend“, sagt Studienautor Caner Aver. Strukturen wie das NRW-Talentzentrum sind dessen ungeachtet wichtige Maßnahmen, um junge Menschen aus bildungsfernen Familien unabhängig des Migrationshintergrundes gezielt zu fördern.

Eine hohe Bildungs- und Integrationsmotivation zeigt eine ebenfalls im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung von Geflüchteten. Hier ist Unterstützung beim Spracherwerb, Nachqualifikation und im Anerkennungsprozess wichtig. Solche Unterstützung wird bereits u.a. durch die Welcome-Projekte und Integra-Projekte an NRW-Hochschulen angeboten.

Fragen können telefonisch oder elektronisch an Caner Aver gerichtet werden (0201-3198-112, aver@zfti.de).

Die Studienergebnisse können hier http://connectnrw.de/media/content/Endbericht-Hochschulbildung%2005.2017.pdf und das Fact Sheet hier http://zfti.de/wp-content/uploads/2017/06/Fact-Sheet-Bildungsaufstieg.pdf angerufen werden.

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