Türkeiveranstaltung im Bundestag

Türkei: Ordnungsmacht zwischen Verantwortung und Selbstüberschätzung?
Vortragsveranstaltung mit Michael Thumann

Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI), der Auslandsgesellschaft Deutschland und der SPD-Bundestagsfraktion sprach der Leiter der ZEIT-Redaktion für den Nahen und Mittleren Osten in Istanbul, Michael Thumann, vor etwa 200 geladenen Gästen im Deutschen Bundestag zum Thema „Türkei: Ordnungsmacht zwischen Verantwortung und Selbstüberschätzung?“

Der Zeitpunkt für den Vortrag hätte nicht besser gewählt sein können: Gerade erst ist die Türkei durch die Stationierung von Patriot-Abwehrraketen in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit geraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maiziére reisen nur wenige Tage nach dem Vortrag zu politischen Gesprächen in die Türkei. Auch der SPD-Vorsitzende Gabriel reist in Kürze in die Türkei.

Vor diesem Hintergrund analysierte Michael Thumann nach einer allgemeinen Einführung in das Thema durch den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot Erler, die unterschiedlichen Facetten der türkischen innen- und Außenpolitik. Eingebettet in ein islamisch-konservatives Wertegerüst wird sie vor allem in der arabischen Welt von vielen als erfolgreiches politisches, gesellschaftliches und wirtschaftliches Modell angesehen – gleichzeitig dominiert die Westorientierung die außenpolitische Agenda des Landes. Die innenpolitische Debatte wird nach wie vor vom Verfassungsprozess und der Kurdenfrage bestimmt. Obwohl sich das Wirtschaftswachstum seit einiger Zeit abgeschwächt hat, wird dennoch weiterhin mit Zuwachsraten im internationalen Vergleich gerechnet. Von Ernüchterung geprägt ist das Verhältnis zur EU. Hier fühlt man sich durch den jüngsten Fortschrittsbericht unfair bewertet. Daraus entwickeln sich laut Michael Thumann kontroverse Fragestellungen: Agiert die Türkei als partnerschaftlicher Krisenmanager mit regionaler Verantwortung oder tendiert sie zu Vormachtansprüchen mit Gefahr zur Selbstüberschätzung oder gar Selbstgefährdung? In seinen Ausführungen skizzierte er die außenpolitische Rolle der Türkei in den unterschiedlichen Konfliktherden der Region und stellte sich anschließend den Fragen des Auditoriums.

Der Vortragsabend markierte den Auftakt einer neu etablierten Kooperation zwischen der Auslandsgesellschaft Deutschland und dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI). Organisatorisch findet die Zusammenarbeit zwischen ZfTI und Auslandsgesellschaft Deutschland ihren logischen Ausdruck in einem gemeinsam betriebenen Hauptstadtbüro, dass seit Jahresbeginn von Bernd Felgendreher geleitet wird.

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