Türkeistämmige Hochqualifizierte auf dem Rückzug?

Seit einiger Zeit wird in der Öffentlichkeit ein Trend zur Rückkehr gerade junger und qualifizierter Türkeistämmiger in das Land ihrer Eltern und Großeltern diskutiert. Wie begründet ist diese Annahme? Handelt es sich um eine dauerhafte oder eine temporäre Auswanderung? Oder zeigen sich hier neue, grenzüberschreitende Lebensweisen? Was zieht jungen Menschen in die Türkei? Diesen Fragen widmet sich eine neue Publikation von ZfTI und Goethe-Institut Izmir.

Die rd. 100-seitige zweisprachige (deutsch/türkisch) Veröffentlichung dokumentiert die Erkenntnisse, die während der Tagung „Migrationstrends türkeistämmiger Hochqualifizierter“ im November 2013 in İzmir gewonnen wurden.

Caner Aver, Mitautor des Bandes und gemeinsam mit seinem ZfTI-Kollegen Cem Şentürk für die Redaktion verantwortlich, analysiert in seinem Beitrag die Phasen der deutsch-türkischen Migration und geht den Fragen nach, wie hoch der tatsächliche Anteil der türkeistämmigen Hochqualifizierten an Abwanderern ist und was Abwanderungsmotive sind: „Veränderte Arbeits- und Lebensbedingungen durch Bildungsaufstieg führen zu neuen, transantionalen Migrationsformen, die besonders häufig bei gut qualifizierten Türkeistämmigen zu beobachten sind. Hohe Bildungsqualifikation, Berufserfahrung, interkulturelle Kompetenz und wachsende Arbeitsmarktoptionen begünstigen einen häufigeren Sozialraumwechsel“ so Caner Aver. Laut Statistischem Bundesamt sind in der Zeit zwischen 2006 und 2012 aus der Türkei nach Deutschland 208.494 und aus Deutschland in die Türkei 245.483 Menschen eingewandert.

Dieser Trend wurde durch Motive wie etwa mangelndes Zugehörigkeitsgefühl und Diskriminierungserfahrungen bei gleichzeitiger positiver Einschätzung beruflicher Zukunftsperspektiven im Herkunftsland gefördert. Die Abwanderungsabsicht unter den Zweitgenerationsangehörigen liegt bei 27,7% und sinkt bei Drittgenerationsangehörigen auf 24,1%. Auffällig ist die geringe Abwanderungsabsicht bei denjenigen ohne Berufsausbildung in Deutschland (32,%), am höchsten bei Meistern / Technikern (38,9%). Eine verstärkte Abwanderung von Hochschulabsolventen (20,3%) ist nicht erkennbar, so die Ergebnisse von ZfTI-Erhebungen. Die verstärkte Rückkehrbereitschaft unter den Zweitgenerationsangehörigen hängt dabei unmittelbar mit Faktoren der identifikativen und strukturellen Integration zusammen.

Die Publikation kann hier kostenlos heruntergeladen werden [18.491 KB] .

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