Tagung

„Türkische Medien bieten zahlreiche Möglichkeiten für Informationskampagnen“

In Essen trafen Vertreter der in Deutschland ansässigen türkischen Medien und Verantwortliche aus dem Bildungsbereich zusammen, um über die Möglichkeiten von Informationskampagnen zur beruflichen Bildung in türkischen Medien zu sprechen.

Während der Tagung am 11.06.2011 im Goldschmidthaus der Evonik Industries in Essen wurden die Potenziale der türkischsprachigen Medien in Deutschland erörtert. Die Veranstaltung wurde vom türkischen Mediennetzwerk für berufliche Bildung „netzwerk biz – Bildung ist Zukunft“ organisiert. Das Projekt „Bildung ist Zukunft -biz“ wird im Rahmen des Programms „Perspektive Berufsabschluss“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) koordiniert.

Nach Begrüßungen durch Dr. Hans Kreul, Leiter Standortkommunikation Essen/Krefeld bei Evonik und Prof. Dr. Hacı Halil Uslucan, wissenschaftlicher Direktor des ZfTI, wurde die Tagung von MR’in Viola-Antoinette Klanten, Leiterin des Referats „Berufsorientierung; Chancengerechtigkeit für Jugendliche“ im BMBF, eröffnet.

Kulturspezifische Informationsbedarfe sollen berücksichtigt werden

In ihrer Rede wies Viola-Antoinette Klanten auf die Bedeutung formeller Bildungsabschlüsse hin und erklärte, welche Maßnahmen im Programm „Perspektive Berufsabschluss“ erfolgen, um den Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss zu reduzieren. „Wir wollen, dass Personen mit und ohne Migrationshintergrund durch unser Programm erreicht und gleichberechtigt bei der Durchführung der Projekte einbezogen werden. Wir setzen daher beispielsweise auf eine enge Zusammenarbeit mit den Migrantenorganisationen. Um türkeistämmige Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen, sind wir außerdem daran interessiert, dass türkischsprachige Medien zur Ausbildung und Nachqualifizierung motivieren.“ Die Expertise und der Wegweiser über türkische Medien, die vom ZfTI erstellt wurden, sowie die im „netzwerk biz – Bildung ist Zukunft“ gesammelten praktischen Erfahrungen im Rahmen der aktiven Öffentlichkeitsarbeit zeigten die Potenziale türkischsprachiger Medien zur Ausbildungsförderung. Klanten bedankte sich bei den Journalisten, Redakteuren, Programmgestaltern und allen Beteiligten für ihre Unterstützung.

Im Anschluss stellte PD Dr. Dirk Halm, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ZfTI, die Ergebnisse der im Rahmen des Projekts erstellten Expertise „Ausbildungsförderung in der türkischen Community durch bessere Einbeziehung von Ethnomedien“ vor. Die EDV-gestützte Analyse der Berichterstattung in türkischsprachigen Medien im Zeitraum vom 01.12.2009 bis 30.11.2010 ergab drei vorherrschende Typen von Berichterstattung: Unter den 227 ausgewerteten Artikeln wurde am häufigsten über Aktivitäten von Institutionen der Ausbildungsförderung (24%) berichtet gefolgt von Themen wie „Ausbildung im weiteren Kontext von Sozialintegration“ (12%) und „Erfolgsbeispiele, Ehrungen, Auszeichnungen“ (9%).

Wegweiser über türkische Medien

Cem Şentürk, Projektkoordinator des „netzwerk-biz“, stellte die Pressearbeit seit Februar 2011 vor. Binnen 16 Monaten sind im Rahmen des Projekts über 250 Artikel in Print- und Onlinemedien platziert und 12 Fernsehbeiträge direkt über das Projekt organisiert worden. Darüber hinaus habe eine Vielzahl an Berichten über das Projekt den Weg in die Medien gefunden. Weiterhin erklärte Şentürk, dass mit Hilfe der projekteigenen Publikation „journal biz“ in den ersten drei Ausgaben das Potenzial türkischsprachiger Medien für deutsche Institutionen erkennbar gemacht werden konnte. Mit der vierten Ausgabe sei ein neues Konzept etabliert worden, das als Leitfaden für unterschiedliche Zielgruppen diene und somit diversen Defiziten entgegengewirkt werden könne. Mit dem türkischsprachigen Wegweiser über das deutsche Ausbildungssystem werde nicht nur nützliches Material für Schüler, Eltern, Ausbildungsberater und weitere Interessierte zur Verfügung gestellt, sondern auch eine sprachliche Vereinheitlichung der Begriffe erzielt, um Verwirrung aufgrund von Übersetzungsunterschieden und –fehlern zu vermeiden.

Mit der fünften Ausgabe des „journal biz“ in Form eines „Wegweisers über türkischsprachige Medien in Deutschland“ werde die Beschleunigung der Annäherung zwischen den zuständigen Institutionen und den türkischen Medien in Deutschland angestrebt.

Während Stephanie Brauser-Jung, Koordinatorin beim Programm „Perspektive Berufsabschluss“, in ihrem Input über die bundesweite Wirkung des Projekts referierte, bezog sich Sefer Öncel, Ansprechpartner für Migrationsfragen der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion NRW, in seinem Beitrag auf die regionalen Einflüsse des Projekts. Außerdem legten die Chefredakteure verschiedener Medienunternehmen in zwei Gesprächsrunden ihre Sicht zur beruflichen Ausbildung in der Diskussion dar und machten Vorschläge zur Verbesserung auf diesem Gebiet. In der ersten Runde sprachen Vertreter von bundesweit agierenden Medienunternehmen, wieKenan Kubilay von der Ihlas Media Group, Mustafa Altas von der Worldmedia Group, Mikdat Karaalioglu von der Sabah Group sowie Seran Sargur vom TV-Sender Kanal Avrupa und Tamer Ergün von Radyo Metropol.

In der zweiten Runde kamen die Chefredakteure der in NRW erscheinenden türkischsprachigen Zeitungen zu Wort. Hier waren Tuğrul Alp Öztürk von Öztürk, Ahmet Salıncaklı von Aktuell, Alaattin Bayrak von Haftalik Posta, Cengiz Parlayan von Mozaik, Hayrettin Özcan von NRW Haber sowie Ramazan Kabataş von der Ruhrausgabe der Post, vertreten.

Während der Tagung wurde den teilnehmenden Redakteuren mit Urkunden für ihr Engagement im „netzwerk-biz“ gedankt. Die Urkunden für die Vertreter der ersten Runde wurden von MR’in Viola-Antoinette Klanten vom BMBF überreicht, während Torsten Withake, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Essen, die Urkunden an die Vertreter der zweiten Runde übergab.

 

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