„Vernetzte kommunale Gesundheitsförderung für Kinder“ – Seelische Gesundheit

In Deutschland hat rund ein Drittel aller Kinder eine Zuwanderungsgeschichte. Aus bisherigen Forschungsberichten wissen wir, dass diese Gruppe von Kindern häufiger psychische Auffälligkeiten aufweist. Trotzdem meistert ein nicht unerheblicher teil dieser von elterlichen Risiken wie Arbeitslosigkeit, Armut, Drogenabhängigkeit, psychotische Erkrankung oder Scheidungserfahrung betroffenen Kinder relativ erfolgreich ihr Leben, ohne an den Folgen dieser Entwicklungsrisiken Schaden zu nehmen. Diese Kinder scheinen besonders widerstandsfähig zu sein.

Der Forschungsverbund „Gesund Aufwachsen“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, besteht aus sechs Forschungspartnern aus den Bereichen Ernährung[1], Bewegung[2], seelische Gesundheit[3], Gesundheit bei Schuleingang[4] und Wissenstransfer[5] und untersucht in ausgewählten Kommunen, wie gut die Angebote zur Gesundheitsförderung vernetzt sind und ob kommunale Präventionsnetzwerke einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Kindergesundheit und zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheit leisten. Der Fokus liegt hierbei besonders auf vulnerablen Zielgruppen.

 

Das Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung vertritt das Forschungsmodul Seelische Gesundheit und verfolgt das Ziel die psychischen Stärken von Kindern aus Zuwandererfamilien zu entdecken und zu fördern.

Die zentralen Fragestellungen sind:

  • Welche Potenziale und Stärken haben Kinder mit Zuwanderungsgeschichte und wie können sie besser von ihnen selbst, von den Eltern und von pädagogischen Fachkräften wahrgenommen, genutzt und gefördert werden?
  • Was sind mögliche Risikofaktoren des Kindes in der Familie und im pädagogischen Setting (KiTa/Schule), die der Entfaltung von Begabungen und Stärken entgegenwirken?
  • Wie entwickeln sich Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl bei Kindern mit Zuwanderungsgeschichte?

 

Eine wissenschaftlich fundierte Gegenüberstellung der Stärken von einheimischen Kindern und Kindern aus Zuwandererfamilien und eine darauf aufbauende Förderung sind bisher im deutschen Sprachraum sehr rar. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse können helfen, zukünftige Angebote zur Gesundheitsförderung zielgerichteter und effektiver zu gestalten. Ferner sind die zu erwartenden Ergebnisse geeignet, der Forderung nach kultureller Vielfalt in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere im Gesundheitssystem, besser gerecht zu werden. Die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten werden systematisch berücksichtigt und eine auf diese Differenzen ausgerichtete Intervention (z.B. muttersprachliche Fortbildung und Informierung der Eltern) entwickelt und angewendet.

 


[1] KATALYSE Institut Köln, Ernährungs- und Gesundheitsforschung
[2] Deutsche Sporthochschule Köln, Abt. Bewegungs- und Gesundheitsförderung und Universität Münster, Institut    für Sportwissenschaft
[3] Universität Duisburg-Essen, Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung
[4] Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie
[5] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Köln

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