Freiwilliges Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland

Projekt der Stiftung Zentrum für Türkeistudien im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Freiwilliges Engagement ist einer der wichtigsten Bestandteile einer funktionierenden Zivilgesellschaft. Die Teilhabe von Migranten an unterschiedlichen Formen freiwilligen Engagements der Gesamtgesellschaft ist ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Integration, ebenso wie ethnische Selbstorganisation einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der kulturellen Identität im Integrationsprozess leisten kann.
Bisher wurde jedoch dem Engagement von Migrantinnen und Migranten kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb hat das BMFSFJ die Stiftung Zentrum für Türkeistudien beauftragt, eine Untersuchung des Engagements und der Potenziale in der türkischen Community durchzuführen. Ziel der Studie ist, Ansatzpunkte für die Förderung des freiwilligen Engagements zu identifizieren, um die Gelegenheitsstrukturen zu schaffen oder zu verbessern.

Datengrundlage:

1.500 standardisierte Telefoninterviews mit türkeistämmigen Haushalten, 52 halbstandardisierte Experteninterviews

Ergebnisse:

Beteiligung, Engagement und Potenziale

  • 64% der Befragten türkeistämmigen Migranten beteiligen sich aktiv in Vereinen, Verbänden, Gruppen oder Initiativen, hochgerechnet 1,3 Mio. Menschen. Dieser Anteil entspricht dem der deutschen Bevölkerung
  • Die wichtigsten Beteiligungsbereiche sind Religion (29%), Sport (23%), Freizeit (20%), Kultur (17%), Schule (14%).
  • Mit Ausnahme der Religion besteht kein Unterschied in der Reihenfolge der Beteiligungsbereiche zum Freiwilligensurvey.
  • Jedoch sind nur 10% der türkeistämmigen Migranten über die Beteiligung hinaus engagiert, hochgerechnet 200.000 Menschen. In der deutschen Bevölkerung sind dies 34%.
  • Die wichtigsten Bereich für Engagement sind wie bei der Beteiligung Religion (24%) und Sport (22%).
  • 50% bekunden Interesse an (weiterem) freiwilligen Engagement.

Struktur der Beteiligten und Engagierten

  • Männer beteiligen sich mit 70% häufiger als Frauen (57%)
  • Junge Migranten beteiligen sich unterdurchschnittliche häufig in Vereinen, Verbänden oder Gruppen (58%).
  • Höhere Bildung und längere Aufenthaltsdauern begünstigen die aktive Beteiligung.
  • Das Engagement, über die Beteiligung hinausgehend, wird durch bessere bildungsmäßige, berufliche und finanzielle Voraussetzungen begünstigt

Organisationen

  • Die Beteiligung in eigenethnischen Kontexten ist dort häufig, wo keine deutschen Alternativen existieren (Religion, Kultur).
  • Hohe eigenethnische Beteiligung in den Bereichen Freizeit und Geselligkeit belegt die Bedeutung auch „freiwilligen“ Zusammenschlusses in eigenethnischen Strukturen.
  • Gemeinsame Interessen begünstigen die Beteiligung in multiethnischen und aufnahmegesellschaftlichen Gruppen (Gewerkschaften, berufliche Interessenvertretung, Aktivitäten am Wohnort, Sport).
  • Eingebürgerte sind häufiger in deutschen Organisationen beteiligt und auch engagiert.
  • Es besteht kein Unterschied der Engagementquote – bezogen auf die Beteiligung – in deutschen und türkischen Organisationen. Allerdings haben engagierte Migranten in deutschen Organisationen seltener Leitungsfunktionen als in türkischen Organisationen.
  • Zahlreiche Migranten empfinden eine mangelnde Offenheit deutscher Organisationen gegenüber Zuwanderern.

Inhaltliche Ausrichtung der Arbeit

  • 59% der Organisationen, in denen sich die Migranten engagieren, richten ihre inhaltliche Arbeit hauptsächlich auf Deutschland aus, weitere 11% auf Deutschland und das Herkunftsland.
  • Die inhaltliche Ausrichtung auf die Türkei ist in den Bereichen Religion und Kultur sowie im sozialen Bereich mit je einem Fünftel überdurchschnittlich häufig.
  • Auch unter den eigenethnischen Gruppen und Organisationen sind nur ein Fünftel mit einem überwiegenden Türkeibezug.

 

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